So funktioniert Colormanagement
19. Juni 2009, Autor: AproDieses Problem kennt wohl jeder, der sich schon mal mit dem Thema Farbverwaltung auseinandergesetzt hat. Wie bekomme ich meinen Monitor dahin, dass er mir die Farben so anzeigt, dass sie genauso aussehen wie später auf dem Ausdruck. Viele Publisher schwenken aufgrund der Komplexität dieses Themas die Fahne. Eine wirkliche 100%ige Lösung gibt es nicht, aber im folgenden Artikel möchte ich erläutern, wie man mit einfachen Mitteln zu einem sehr guten Ergebnis kommt.
Vorweg möchte ich mich bei allen Windows-Usern entschuldigen, wenn ich meine Erläuterung auf Mac Os X beziehe. Grundsätzlich bestehen aber kaum Unterschiede bei der Vorgehensweise. Als gängigste Lösung möchte ich das Ganze an Hand von Adobe-Produkten erklären.
ICC-Profile
Ein ICC-Profil (synonymer Begriff: Farbprofil) ist ein genormter Datensatz, der den Farbraum eines Farbeingabe- oder Farbwiedergabegeräts, z. B. Monitor, Drucker, Scanner etc. beschreibt. Viele der bereits installierten Profile sind aber nicht zu gebrauchen und führen genau zu den Problemen, denen wir aus dem Weg gehen möchten.
Unter Ihrer
Systemplatte > Library > ColorSync > Profiles
und unter
Library > Application Support > Adobe > Color
finden Sie Ihre ICC-Profile, die Sie für Ihre Publishingprogramme benötigen.
Unter Ihrer
Systemplatte > Benutzer > Ihr Profil > Library > ColorSync > Profiles
Finden Sie Ihre Monitorprofile (dazu später mehr).
Die ECI (European Color Initiative) hat Standard-ICC-Profile für den Offsetdruck herausgegeben, die in Europa als ISO-Offsetstandart zu verwenden sind.
Laden Sie sich diese ICC-Profile kostenlos von der Seite von ECI.
Hier der direkte Link zu dem ZIP-Archiv.
Zusätzlich steht noch ein RGB-Arbeitsfarbraum zum Download bereit
Wenn sie die Dateien entpackt haben, kopieren Sie diese in Ihre beiden Profilordner (nicht in den Profilordner unter Benutzer). Jetzt stehen diese neuen ECI-ICC-Profile für Ihre Programme bereit.
ICC-Profile und Farbeinstellungen in Photoshop, Indesign & Co.
Damit Sie nun mit den neuen Profilen auch arbeiten können erläutere ich Ihnen nun, wie man diese in die einzelnen Programme einbindet.
Beginnen wir mit Adobe Photoshop.
Diese Einstellung sind für alle CS-Versionen gültig. Unter dem Menüpunkt Photoshop finden Sie den Punkt Farbeinstellungen (Apfel+Shift+K).
Als erstes wählen wir die neuen Profile aus.
Für die Graustufen und für die Schmuckfarben, laden wir uns das ISOcoated_v2_eci.icc rein.
Bitte übernehmen Sie die restlichen Einstellungen so wie unten abgebildet.
Bei den Einstellungen Farbmanagement-Richtlinien (2. Feld) haben wir das ganze jetzt so eingestellt, dass das original Farbraum-Profil immer beibehalten wird. Erst im Photoshop weisen wir unser ECI-Profil zu. So können Sie gleich die Unterschiede sehen und das Bild farbgetreu bearbeiten. Das Profil können Sie unter dem Menüreiter Bild > Modus > Profil zuweisen.
Farbeinstellungen für Adobe Indesign.
Unter dem Menüreiter Bearbeiten > Farbeinstellungen kommen Sie zu den Farbeinstellungen. Jetzt die große Überraschung – wir deaktivieren das Farbmanagement in Indesign. Der Grund dafür ist ganz einfach. Das einzige, wofür in Indesign ein Farbprofil benötigt wird, sind die Bilder. Diese beinhalten ihr Profil bereits und brauchen keine weitere Zuweisung von Indesign. Alle Texte und Vektorgrafiken (auch importierte Vektor-eps oder Illustrator-Dateien) sollen so bleiben, wie sie angelegt wurden. Viele Farbwerte werden beim PDF-Export geändert, wenn die Indesign eigene Farbverwaltung aktiviert ist.
Damit kommen wir auch gleich zum nächsten Punkt – wie generiere ich ein PDF aus Indesign richtig. Öffnen Sie das Dialogfenster PDF-Exportvorgaben. Wählen Sie den Punkt PDF/X-3. Nun kommen Sie zu der Einstellung „Allgemein”. Übernehmen Sie die Einstellungen wie unten aufgeführt. Kompatibilität sollte „Acrobat 4 (PDF 1.3)” sein. Das ist zu 90 % immer noch der Standartworkflow der meisten Offsetdruckereien. Standard „Keine” auswählen. Dadurch wird verhindert, die voreingestellten ICC-Profile der PDF/X-3-Jopoption zu verwenden. Diese können dazu führen unsere Farben in andere Farbräume zu verschieben und damit die Farbwerte zu verfälschen.
Damit Sie sich ganz sicher sein können, alles richtig gemacht zu haben, können Sie noch mal unter dem Punkt „Erweitert” überprüfen, ob das PDF-Farbmanagement auch wirklich nicht aktiv ist.
Gratuliere! Jetzt haben Sie ein PDF geschrieben, dass zu 100% die Farbwerte Ihrer Texte und Grafiken angibt, die Sie auch in Indesign angelegt haben. Die einzigen Profile die verwendet werden, sind die der platzierten Bilder. Diese haben Sie ja vorher im Adobe-Photoshop angelegt und haben somit die richtigen Profile verwendet.
Für alle anderen nicht pixelorientierten Programme gilt: Farbmanagement aus!
Einstellung des Bildschirmes
So, jetzt haben wir die Grundlagen für ein ordentliches Colormanagement geschaffen. Unsere Software ist bereit. Wie sieht es mit der Hardware aus?
Sie werden es vielleicht nicht gerne hören, aber wer hier auf eine günstige oder kostenlose Lösung hofft, den muss ich leider enttäuschen. Aus langjähriger Erfahrung habe ich festgestellt, dass es ohne Monitorkalibrierungsgerät es so gut wie unmöglich ist, ein einigermaßen zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen.
Da wir es selbst benutzen, kann ich nur über das „ X-Rite i1 Display 2″ sprechen.
http://www.xrite.com/product_overview.aspx?ID=788
Es gibt aber eine Vielzahl von vergleichbaren Produkten!
Wie dieses Colorimeter und die Software im Detail funktionieren, können Sie auf der Webseite des Herstellers genau nachlesen. Im Großen und Ganzen ist das System aber ganz einfach. Das Messgerät wird auf den Monitor aufgesetzt. Am besten mittig. Dabei spielt es keine Rolle ob Ihr Monitor ein CTR-/ oder TFT-Monitor ist. Die Software schickt einzelne Farbfelder auf den Monitor. Das Messgerät liest diese Farben und schickt die Werte zur Software. Diese vergleicht nun die an den Monitor gesendeten Farbwerte mit denen, die das Colorimeter gemessen und zurück gesendet hat. Durch die Farbdifferenzen errechnet das Programm ein Profil, das die Farben der Dokumente so umrechnet, dass der Bildschirm sie so darstellt, wie sie eigentlich auch sein sollten. Das Programm berücksichtigt auch das Umgebungslicht Ihres Arbeitsplatzes und die Helligkeit/Kontrast Ihres Monitors. Das errechnete Monitorprofil wird dann abgespeichert. Sie sollten dabei immer das aktuelle Datum in den Dateinamen schreiben.
Hier gilt natürlich wie in jedem Hardwarebereich, je besser die Komponenten, umso besser das Ergebnis. Ihr Monitor sollte eine UGRA-Zertifizierung haben, um ein optimales Ergebnis zu bekommen. Ich persönlich benutze ein Apple-Cinemadisplay für gängige Arbeiten und einen Quato für genaue Bildarbeiten (dieser hat aber sein eigenes Colorimeter und eine Hardwarekalibrierung). Natürlich geht es auch mit jedem anderen Monitor. Wie gesagt, das Ergebnis ist von der Qualität des Monitors abhängig.
Wenn Sie es genau nehmen wollen, dann bauen Sie Ihren EBV-Arbeitsplatz so auf, das so wenig störende Lichtquellen wie möglich in Ihrer Umgebung stehen und installieren Sie eine Tageslichtlampe. Dadurch garantieren Sie eine immer gleichbleibende Wahrnehmung der Farben. Sie wissen vielleicht selbst, wie groß der Unterschied zwischen dem Morgenlicht gegenüber dem Mittagslicht beim Betrachten eines Proofs sein kann.
Wenn Sie Ihren Monitor nun kalibriert haben, verwenden Sie das neue Profil. Um jetzt im Photoshop eine optimale Simulation des Druckergebnisses zu erhalten gehen Sie bitte auf den Menüreiter Ansicht > Proof einrichten > Eigene. Wählen Sie Ihr Monitorprofil. Jetzt sollte die Darstellung Ihres Bildes dem Druckergebnis entsprechen.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen und Sie etwas näher an dieses komplexe Thema ranführen. Grundsätzlich gibt es aber keine perfekte Lösung für diese Problem, da hierbei so viele Faktoren wie Lichtquellen, Druckqualität, Druckeinstellungen, Papiersorte usw. eine Rolle spielen, dass ein wirklich verbindliches Farbmanagement sehr viel Zeit und eine sehr hochwertige Hardware voraussetzt. Aber mit den paar Einstellungen und einem Colorimeter für ca. 250 Euro sollten Sie zukünftig vor bösen Überraschungen bewahrt sein.
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Tags: Colormanagement, Farbprofile, InDesign, Kalibrierung, Monitor, Offset, Photoshop, Print
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